Wildtierwunden

Wildtiere verstehen und schützen – Blog für Tierpflege und Perspektivwechsel

So erlebt der Igel die Rückkehr in die Freiheit: Einblick in die Auswilderung – Teil 2

Wenn der Garten zum Lebensraum wird

Wie geht es weiter, wenn ein Igel im Frühjahr aus dem Winterschlaf erwacht? Wie nimmt er die die Gewöhnungszeit im Gehege wahr? Was gilt es zu beachten, damit die Auswilderung erfolgreich verläuft?

All das ist Thema des 2. Teils dieser Beitragsserie mit einem echten Beispiel von der Station. Falls Du Teil 1 noch nicht kennst, findest Du ihn hier: So erlebt der Igel seinen Winter: Einblick in den Winterschlaf – Teil 1

Der Frühling beginnt

Schon wieder ist eine Nacht so warm. Die letzten Wochen gab es ab und zu Phasen, wo die Kälte tagsüber etwas nachgelassen hat. Ich konnte riechen, wie die Sonne scheint und den Boden auftaut. Dazwischen ist es vor allem nachts aber immer wieder eiskalt geworden. Doch nun waren auch die letzten paar Nächte angenehmer.

Mein Körper fährt langsam wieder hoch, habe ich den Eindruck. Ich kann Tage und Nächte deutlich auseinanderhalten. Früh morgens höre ich die Vögel laut und klar singen. Dann merke ich, wie sich meine Höhle durch die einfallenden Sonnenstrahlen etwas erhellt und vor allem auch erwärmt. Wenn ich meine feste Kugelform aufgebe, spüre ich die pieksigen Strohhalme an meinem Bauch und meinen Pfoten.

In der zweiten Nacht, in der ich die Kraft finde, um meine eingerollte Winterschlafhaltung zu verlassen und mich ein wenig zu rühren, erlange ich langsam die Orientierung zurück. Ich erinnere mich, wie ich mich in dieser Höhle voll mit Stroh eingerichtet habe und dann eingeschlafen bin.

Auch fällt mir wieder ein, dass es hier irgendwo reichlich Futter gab – und zwar diesen matschigen Insektenbrei. So eine kleine Stärkung wäre jetzt was. Ich recke meine Nase in die Luft, doch den Duft des Insektenfutters kann ich nicht wahrnehmen. Dafür bahnt sich ein anderer Geruch durch die Strohhalme, den ich nicht ganz einordnen kann. Neugierig mache ich ein paar Schritte in die Richtung, aus der ich ihn am stärksten wahrnehme, und finde den Ausgang aus meinem Strohnest.

Davor befindet sich ein zweiter Teil dieser Höhle, der aber deutlich schmäler und nicht mit Stroh gepolstert ist. Hier zieht die frische Nachtluft von draußen rein und vermischt sich mit dem seltsamen Geruch, der mich an eine Schale ganz hinten in der Ecke geführt hat. Dort finde ich kleine, knackige Brocken, die beim Draufbeißen richtig knuspern. Nach einer Kostprobe kann ich den Geruch und den Geschmack besser einordnen. Es ist etwas ganz anderes als Insektenbrei oder trockene, tote Insekten und erinnert mich eher an das Fleisch von Säugetieren, auch wenn es total hart ist. Und es ist vor allem ungewohnt.

Ein paar Happen nehme ich noch, aber das reicht mir dann auch. Denn das Trockenfutter macht durstig und so nehme ich noch einen großen Schluck aus der Pfütze, die sich direkt neben der Futterschale befindet. Nun ziehe ich mich wieder zurück in mein Nest aus Stroh.

Dort angekommen rolle ich mich fest zusammen zu einer Stachelkugel – genau an der Stelle, an der ich den ganzen Winter über lag. Ich falle schnell in einen ruhigen Dämmerschlaf, während der Rest der Nacht vorüberzieht und der Morgen anbricht. Diesmal nehme ich das Singen der ersten Vögel des Jahres besonders deutlich wahr.

Endlich wieder wach

Irgendwann rumpelt es plötzlich über meinem Kopf und kalte Luft streift meinen Rücken. Zeitgleich höre ich eine helle, fremde Stimme in unmittelbarer Nähe. Sofort bin ich hellwach und richte meine Stacheln so weit auf wie möglich. Etwas knirscht und scheppert, und als die unbekannte Stimme noch einmal ertönt, erinnere ich mich an einzelne Momente von dem Umzug in diese Höhle. Dabei ist mir dieses andere Tier mit den hohen, schnellen Lauten doch schon begegnet.

Als ich diesen Gedanken zu fassen bekomme, ist der Spuk schon wieder vorbei. Ich spüre noch, wie sich die dumpfen Schritte auf der Erde entfernen. Dann bleibt es ruhig. Nach einigen Minuten gebe ich meine Verteidigungshaltung auf und entspanne mich etwas. Nun steigt mir wieder der Geruch der kleinen, trocknen Futterhappen aus Säugetier-Fleisch in die Nase – sehr intensiv wohlgemerkt. Aber darauf habe ich jetzt am Tag gar keinen Appetit, also schlafe ich einfach weiter.

Erst, als es langsam Abend wird, erwacht meine Unternehmungslust wieder. Hundegebell in der Ferne weckt mich schließlich ganz auf. Der Duft des Futters hält sich immer noch in meiner Höhle, und so mache ich mich gleich auf den Weg zum Napf. Da überkommt mich auch schon ein Bärenhunger, so dass schnell kaum noch etwas übrig ist. Die Trockenfutterbrocken schmecken zum Teil genauso intensiv, wie sie riechen. Das ist mir letzte Nacht gar nicht aufgefallen, aber da hat es auch nicht so frisch und aufdringlich gerochen.

Wieder macht mich das Fressen sehr durstig. Nachdem ich die Pfütze aufgesucht habe, tapse ich mit ein paar Schritten neugierig zum Ausgang der Höhle. Hier spüre ich die kühle Nachtluft um meine Nase wehen. Es ist zwar nicht mehr eisigkalt, doch von Sommer kann noch keine Rede sein. Ich lausche in die Ferne und versuche mich zu entsinnen, was sich dort draußen in der Dunkelheit verbirgt. Vor dem Winterschlaf war ich bestimmt schon einmal vor diesem Versteck unterwegs. Doch nennenswerte Erinnerungen kommen nicht zurück.

Entdeckungen auf nächtlichen Ausflügen

Mit vorsichtigen Schritten wage ich mich aus der Höhle ins Freie. Meine Pfoten spüren feuchtes Gras und den lehmigen Erdboden. Ich entferne mich schräg von meinem Versteck und schnuppere dabei über die Wiese und in verschiedene Richtungen. Dann geht es auf einmal nicht mehr weiter. Lange, dünne Gitterstäbe ziehen sich vor meiner Nase in die Höhe. Nun erinnere ich mich wieder wage – ich bin kaum weiter weg von meinem Winterquartier gekommen, weil sich darum herum ein Zaun befindet, dessen Gitterstäbe mich nicht durchlassen. Irritiert bleibe ich einen Moment stehen. Mit meinen Vorderpfoten steige ich auf einen der Querstreben und recke mich hoch in die Luft. Doch das Ende der Gitterstäbe ist außerhalb meiner Sichtweite. Meinem Gewicht will der seltsame Zaun auch nicht weichen. Also versuche ich, mit der Nase einen Weg unten durch zu finden. Aber es rührt sich nichts.

Ich laufe eine Weile weiter am Zaun entlang und versuche mein Glück an verschiedenen Stellen – vergebens. Die Gitterstäbe sind scheinbar fest verwurzelt in der Erde. Gerade als mich der Mut verlässt und ich den Rückweg zu meiner Höhle antreten will, stoße ich auf ein Hinternis entlang des Zaunes. Es ist eine hölzerne Wand, die sich direkt an das Gitter anschließt. Irritiert bleibe ich stehen. Das kommt mir doch bekannt vor. Ich ziehe die Luft schnell durch die Nase ein und bemerke den vertrauten Geruch des Trockenfutters. Tatsächlich – das muss meine Höhle sein. Zugleich erleichtert und ernüchtert suche ich den Eingang auf. Denn jetzt ist mir klar, dass der Zaun einmal im Kreis um mein Versteck herum verläuft.

Für heute habe ich erst einmal genug von Erkundungstouren und ziehe mich in mein Nest aus Stroh zurück. Dort angekommen schlafe ich gleich erschöpft ein und bekomme eine ganze Weile nichts aus der Umgebung mit. Die Ruhe der Nacht und die Vogelstimmen im Morgengrauen ziehen vorüber, ohne dass ich sie wirklich wahrnehme.

Fremde Tiere im Revier

Erst als eine Erschütterung durch die ganze Höhle geht, schrecke ich plötzlich aus meinem Schlaf hoch. Es rumpelt, als sich das Dach über mir öffnet. Die Stimme des fremden Tieres mit den großen Pfoten dringt genau so unerwartet zu mir durch wie die warme Luft des Frühlings. Seine Laute kommen näher und dann klappert es wieder im Vorraum meiner Höhle.

Auf einmal piekst mich ein Strohhalm in den Rücken. Vor Schreck rolle ich mich noch fester zu einer Stachelkugel zusammen und stoße ein lautes Fauchen aus. Das Stroh bewegt sich raschelnd zur Seite und ehe ich mich versehe, spüre ich die großen Pranken des fremden Tiers an meinem Körper. Sie heben mich hoch, so dass ich den Boden unter den Pfoten verliere. Was um alles in der Welt passiert hier? Ich traue mich kaum zu atmen, doch ab und zu entfährt mir ein zaghaftes Fauchen.

Ich fliege ein Stück durch die Luft in den Fängen des riesigen Tieres. Dann setzen mich die Pfoten für einen Moment ab. Leise dringen seine Laute zu mir durch und ich luge vorsichtig unter meinem Stachelkleid hervor. Es ist ungewohnt hell am Tag und viel erkennen kann ich deshalb nicht. Doch überall um mich herum geht es steil nach unten, so dass ich lieber ganz still sitzen bleibe. Lange dauert es aber sowieso nicht, bis die großen Pfoten mich erneut packen und durch die Luft fliegen lassen.

Als sie mich wieder absetzen, weiß ich sofort, wo ich bin. Es riecht vertraut nach Stroh und Holz. Und als sich die Decke über mir schließt, kehrt die Dunkelheit in meine Höhle zurück. Die Pfoten bleiben den Rest des Tages fern und auch die Laute der fremden Tiere bleiben aus. Ich brauche noch eine Weile, um mich nach dem Spuk vollständig zu entspannen. Doch mit dem Einsetzen der Dämmerung trete ich meine tägliche Erkundungstour an.

Zu meiner Überraschung finde ich im Vorraum meiner Höhle heute keine trockenen Futterbrocken aus dem Fleisch von Säugetieren vor. Stattdessen ist die Schale gefüllt mit dem krümeligen Insektenbrei, der mir schon vor dem Winterschlaf begegnet ist. Ich verstehe zwar nicht, wie die kleinen Krabbeltierchen dort hineinkommen, doch es schmeckt nicht schlecht. Nein – im Vergleich zu Säugetierfleisch schmeckt es sogar richtig gut, denn schließlich sind Insekten meine Hauptnahrung.

Dankbar für die Abwechlung schlecke ich die Schale leer und lasse keinen Klecks mehr übrig. Erst, als ich mich danach zur Pfütze bewege und einen Schluck Wasser trinke, fällt mir auf, dass von draußen wirklich kalte Luft hereinzieht. Diese Nacht ist viel frischer als die Nächte davor. Für einen Moment halte ich meine Nase am Ausgang in den eisigen Wind, doch wenn ich es mir recht überlege, dann habe ich nun keine Lust mehr auf eine Erkundungstour. Also ziehe ich mich zurück und mache es mir in meinem Nest bequem.

Die nächsten Tage und Nächte sind mal wärmer und mal kälter. Vereinzelt überwinde ich mich nachts zur Inspektion des Zaunes um meine Höhle herum, doch es gibt scheinbar kein Entkommen. Immerhin finde ich jeden Abend am selben Ort ein reichliches Nahrungsangebot aus matschigen Insekten, so dass ich mir langsam die Verluste vom Winter wieder anfressen kann.

Die fremden Tiere mit den großen Pfoten bleiben immer in der Umgebung. Jeden Tag kann ich ihre Stimmen hören und ihre Schritte auf der Erde spüren, kurz bevor sich die Decke meiner Höhle für einen Augenblick öffnet. Ab und zu werde ich von ihren Pfoten herausgeholt, kurz woanders abgesetzt und dann wieder in meine Höhe gebracht. Der Zweck dieser Prozedur ist mir schleierhaft, denn wirklich gefährlich scheinen diese Tiere nicht zu sein.

F r e i h e i t ?

So gehen einige Tage und Nächte dahin und ich spüre, wie ich durch das üppige Nahrungsangebot immer mehr zu Kräften komme nach dem zehrenden Winter. Meine Erkundungstouren durch das Gehege, in dem meine Höhle steht, wurden jedoch von Nacht zu Nacht kürzer, denn wirklich was zu entdecken gabe es nicht – zumindest bis heute. Denn als ich diesmal am Zaun entlang patrouilliere, hören die Gitterstäbe an einer Stelle plötzlich auf. Verblüfft bleibe ich einen Moment stehen. Dort, wo mein Revier die ganze Zeit durch ein unüberwindbares Hindernis begrenzt wurde, gibt es auf einmal einen Weg in andere Reviere. Nun stehen mir alle Himmelsrichtungen offen.

Erfreut und verunsichert zugleich tapse ich ein paar Schritte über die imaginäre Grenze. Ich lausche besonders aufmerksam den Geräuschen aus der Umgebung. Doch außer dem leisen Rascheln der Grashalme höre ich nicht viel. Auch kann ich bisher keine anderen Igelspuren riechen.

Nun packt mich die Neugierde. Ich schlage zuerst einen Weg auf der Außenseite des Zaunes ein, bis ich im Gestrüpp lande. Mein Instinkt führt mich anschließend über eine Fläche mit Steinboden, zurück in die Wiese, an Beeten entlang und noch viel weiter. Zwischendrin stehe ich durchaus auch vor Hindernissen, die dem Zaun um meine Höhle ähneln, doch mein Bewegungsradius ist auf einmal viel größer geworden. Ich inspiziere jede Pflanze und jeden Stein, an dem ich vorüber komme. An manchen Stellen verbergen sich kleine Käfer oder Larven, die ich mir genüsslich im Maul zergehen lasse. Auf ein anderes, großes Tier wie mich treffe ich jedoch nicht.

Bevor die Morgendämmerung einsetzt, ziehe ich mich in mein bekanntes Nest in der Höhle zurück. Denn die neue Umgebung kenne ich noch viel zu wenig, um mir – so aufgeregt wie ich über die plötzliche Freiheit bin – ein sicheres, neues Versteck zu suchen. Erschöpft von der unzähligen Eindrücken der Nacht falle ich sofort in einen tiefen Schlaf, in dem mich nicht mal die fremden Tiere am nächsten Tag stören können.

Doch sobald es wieder Nacht wird, bin ich auf einmal hellwach. Wie gewohnt tapse ich zuerst zu meiner Futterschale und verschlinge den Insektenbrei. Dann mache ich mich sofort auf den Weg nach draußen und laufe zunächst dieselbe Route wie gestern – über Stock und Stein bis ich an einen weiteren Zaun stoße. Aber heute lasse ich mich nicht so leicht aufhalten. Nach kurzer Zeit finde ich eine Stelle, an der ich darunter durchpasse. Aufgeregt gehe ich auf die andere Seite und lasse mich von nun an vollständig von meinen Instinkten leiten…

* * * * *

Der Igel in der Pflege

Wie bereits im ersten Teil der Beitragsserie, den Du nochmal hier findest, handelt es sich bei diesem Tier um Igel Nr. 706. Er kam im Herbst des Vorjahres als untergewichtiges Jungtier auf die Wildtierstation des Tierheims München, wurde aufgepäppelt und durfte dann für die Auswilderung zu seinen Igelpaten umziehen. Da es zu diesem Zeitpunkt schon sehr winterlich war, konnte der Igel nicht mehr im selben Jahr freigelassen werden.

Stattdessen findet in solchen Fällen zunächst eine kontrollierte Überwinterung statt. Der Igel verbringt seinen Winterschlaf im Igelhäuschen, das bereits im Auswilderungsgehege im Garten steht. Währenddessen bekommt man optimalerweise kaum etwas mit von dem Tier – außer in vereinzelt wärmeren Nächten schlafen die Igel in aller Regel durch.

Falls Du Dich näher für den Ablauf bei der kontrollierten Überwinterung interessierst, findest Du in diesem Beitrag weitere Informationen: Erst überwintern, dann auswildern – So bringst du „Deinen“ Igel gut durch den Winter

Die ersten Tage nach dem Winterschlaf

Pünktlich zum Frühjahr und steigenden Temperaturen ist Igel 706 langsam aufgewacht aus seinem Winterschlaf. Anfang März kamen erstmals mehrere sonnige Tage und wärmere Nächte am Stück. Das ist der Zeitpunkt, ab dem besonders gut kontrolliert werden sollte, ob der Igel aufwacht und sich beispielsweise am Futter bedient. Bei diesem Tier ist die nächtliche Aktivität am nächsten Tag jeweils sofort aufgefallen, da der Igel gut gefressen und seine Hinterlassenschaften an Ort und Stelle verteilt hat.

Spätestens ab der dritten aktiven Nacht in Folge sollte dem Tier statt Katzentrockenfutter wieder das hochwertige Insektenfutter angeboten werden, da dies der natürlichen Nahrung des Igels sehr viel näher kommt. Es eignet sich besser, um die Verluste des Winterschlafs langsam wieder anzufüttern, und bereitet den Igel auf das selbstständige Leben in Freiheit vor.

Zu diesem Zeitpunkt ist es außerdem sinnvoll, den Igel einmal vorsichtig aus seinem Häuschen zu holen und zu wiegen. Ein Gewichtsverlust von bis zu 30% im Vergleich zum Körpergewicht vor dem Winterschlaf ist durchaus normal und nicht besorgniserregend. Sollte er jedoch deutlich mehr an Gewicht verloren haben oder in den folgenden Tagen kaum zunehmen, ist dies ein Indiz dafür, dass irgendetwas nicht stimmt. In diesem Fall ist unbedingt mindestens telefonische Rücksprache mit den Tierpfleger*innen auf der Wildtierstation erforderlich.

Igel 706 ist mit etwa 440 Gramm aus dem Winterschlaf erwacht. Da er als Jungigel die Wildtierstation mit den üblichen 600 Gramm verlassen hat und in seinem Winterquartier eingeschlafen ist, liegt dieser Gewichtsverlust auf jeden Fall in der Norm. In Verbindung mit seinem regen Appetit ist dies sogar ein sehr gutes Zeichen für einen gesunden, fitten Igel.

Positive Entwicklung

In den darauffolgenden Nächten ist er weiterhin aktiv geblieben, so dass er normal gefüttert wurde und jeden Tag eine frische Portion Insektenfutter bekam. Beim regelmäßigen Wiegen ließ sich eine stetige Gewichtszunahme beobachten. Grundsätzlich sollte das Tier nach der Überwinterung solange im Auswilderungsgehege zugefüttert werden, bis es ungefähr das Ursprungsgewicht vor dem Winterschlaf wieder erreicht hat.

Normalerweise wird der Igel sowieso zehn bis 14 Tage im Auswilderungsgehege an die Umgebung gewöhnt, bevor man das Gehege öffnet und den Igel freilässt. Sollte er für die Gewichtszunahme länger brauchen, wird dieser Zeitraum einfach um ein paar Tage verlängert. Dabei ist jedoch zu beachten, dass Igel Wildtiere sind und auf keinen Fall dauerhaft in Gefangenschaft gehalten werden dürfen. Denn Eingesperrtsein und menschliche Obhut bedeuten massiven Stress für das Tier, wodurch es Krankheiten und Verhaltensprobleme entwickeln kann.

Eine gelungene Überführung in die Freiheit

Knapp drei Wochen nach dem ersten Wiegen erreichte Igel 706 sein Ursprungsgewicht. Also wurde das Gehege eines Nachts geöffnet, so dass er selbst entscheiden konnte, ob und wie lange er in sein Igelhäuschen und an den Futternapf zurückkehren möchte. Bis zu sieben Tage sollte dem Tier diese Möglichkeit maximal eingeräumt werden. Hat es sich jedoch schon früher selbstständig gemacht, erkennt man dies daran, dass insbesondere das Futter am nächsten Tag unberührt ist. Dann muss natürlich nicht die vollen sieben Tage Futter bereitgestellt werden, das letztlich sowieso nicht gefressen wird.

Im Fall von Igel 706 kam das Tier in der ersten Nacht in Freiheit trotzdem wieder zu seinem bekannten Versteck und verbrachte dort den darauffolgenden Tag. Doch bereits in der nächsten Nacht kehrte der Igel nicht mehr in sein Häuschen zurück und ließ von da an auch das Futter unberührt.

Was danach geschieht, liegt nicht mehr in unserer Hand. Denkbar ist alles – dass der Igel ein eigenes Revier ganz in der Nähe findet und ein stattliches Alter von drei Jahren erreicht, oder aber dass er in der Woche danach auf der Straße unglücklich überfahren wird.

Sicher ist jedoch, dass er dank der kontrollierten Überwinterung und Auswilderung die besten Voraussetzungen für seine zweite Chance in Freiheit bekommen hat.

Wichtiger Hinweis zum Schluss

Wirklich jeder Igel ist anders und bringt ganz unterschiedliche Eigenschaften mit, die sich im Umgang mit dem Tier zeigen. Diese Geschichte ist nur ein Beispiel, wie die Auswilderung ablaufen kann – aber nicht muss. Bei Unsicherheiten wende Dich gerne direkt an die Wildtierstation.

Danke an die Igelpatin, die mich an der Überwinterung „ihres“ Igels teilhaben ließ ❤️

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