Im Jahr 2024 hat die Wildtierstation des Tierheims München 1.745 hilfsbedürftige Igel aufgenommen und versorgt. Zwar schaffen es nie alle Wildtierpatienten, aber die Anzahl der Auswilderungen ist dennoch entsprechend hoch.
Deshalb kann jeder mit einem naturnahen Garten helfen und einen Igel zurück in die Freiheit begleiten.
Alles, was Du dafür brauchst, erfährst Du in diesem Beitrag!
Was es bedeutet einen Igel auszuwildern
Die absolute Mehrheit der aufgenommenen Igel wird von der Wildtierstation über die Methode Soft Release ausgewildert. Wenn Du mehr darüber erfahren willst, kannst Du hier weiterlesen: Wildtiere erfolgreich auswildern: Soft Release vs. Hard Release
Und wie Du Dich für die Auswilderung bei der Wildtierstation melden kannst, erfährst Du hier: Die Wildtierstation unterstützen: Wie Du Dich für die Igel-Auswilderung melden kannst
Das brauchst Du für die Auswilderung
Für die Auswilderung bedarf es ein Auswilderungsgehege:
- Das Gehege sollte ungefähr zwei Quadratmeter groß sein. Über noch mehr Platz freut sich der Igel natürlich immer.
- Die Höhe muss mindestens 40 bis 50 Zentimeter betragen, da Igel erstaunlich gut klettern können. Deshalb sollte der Zaun des Geheges auch nicht zu viele Querstreben haben, an denen er sich hoch ziehen könnte.
- Insgesamt ist es sehr wichtig, dass das Gehege ausbruchsicher ist! Ansonsten scheitert die „sanfte“ Rückführung in die Natur, was sehr schade wäre.
Aus Erfahrung kann ich selbst sagen, dass Igel wirklich meisterhaft im Ausbrechen sind. Ist der Zaun beispielsweise nicht wirklich fest im Boden verankert, schiebt der Igel ihn einfach nach oben oder zur Seite weg. Ist der Boden zu weich und zum Beispiel sandig, gräbt er sich unter dem Gehege durch. Stellt man das Igelhäuschen oder etwas ähnliches zu nah an den Zaun, nutzt der Igel das als Treppenstufe und klettert über den Zaun drüber. Es kann also fast nicht sicher genug sein.
Als Schutzort erhält der Igel ein Igelhäuschen:
- Das kann ein selbst gebautes Häuschen oder eins aus dem Baumarkt (oder Internet) sein. Es sollte aber unbedingt einen Boden haben.
- Besonders geeignet sind Igelhäuschen mit dem sogenannten „Labyrinth-Eingang“, also bestehend aus zwei Räumen, die über ein Brett in der Mitte mit versetztem Eingang verbunden sind.
- Das Igelhäuschen wird dann mit Stroh gefüllt – so, dass es schön dicht ist, aber der Igel noch gut hineinpasst. Bei einem Labyrinth-Häuschen ist nur der größere bzw. der hintere Bereich als Schlafplatz gedacht. Im vorderen Teil muss also nicht unbedingt Stroh sein.
- Laub oder Heu statt Stroh sind ungeeignet und können den Igel krank machen, da dies schnell Feuchtigkeit zieht und zur Schimmelbildung führt. Damit aber auch das Stroh nicht nass wird, ist der Boden des Igelhäuschens so wichtig!
Vor allem wenn das Igelhäuschen der Wahl keinen Labyrinth-Eingang hat, sollte man zudem ein separates Futterhäuschen aufstellen, damit das Futter vor Katzen oder anderen Tieren geschützt ist und auch wirklich dem Igel zugute kommt. Das kann ein schlichtes Häuschen ohne Boden sein.
Der beste Standort für Gehege und Häuschen im Garten zeichnet sich folgendermaßen aus:
- Nordseite ist ideal für den Igel. Es sollte im Sommer nicht zu heiß werden im Häuschen.
- Das Auswilderungsgehege sollte eher wettergeschützt aufgestellt werden, zum Beispiel an der Hauswand oder in einer Ecke. Alternativ kann man das Gehege auch zum Teil mit einem Brett abdecken.
- Grundsätzlich gilt für den gesamten Garten, dass er möglichst naturnah sein sollte, damit der Igel dort auch Nahrung findet. Außerdem muss ein Igel den Garten unbedingt verlassen können. Das heißt, dass unter dem Gartenzaun oder zwischen den Zaunlatten zum Beispiel noch ein kleiner Spalt sein muss. Solange es nicht komplett abgeriegelt ist, sollte das aber kein Problem sein, da Igel wie erwähnt sehr gut im Ausbrechen sind und sich leicht irgendwo „durchquetschen“ können.

Artgerechte Fütterung sieht so aus
Gefüttert wird möglichst naturnah:
- Igel sind Insektenfresser. Deshalb kommt ein Insektenfutter der natürlichen Nahrung des Igels am nächsten. Auf der Wildtierstation kommt beispielsweise das Insektenpüree der Marke „Entava“ zum Einsatz, was sehr gut von den Tieren akzeptiert wird.
- Das Insektenpüree von Entava sollte mit getrockneten Mehlwürmern vermischt werden, da es ansonsten sehr flüssig ist. Lebende Mehlwürmer können auch zusätzlich angeboten werden.
- Zur täglichen Menge lässt sich folgende Faustregel festhalten: Ist die Futterschale regelmäßig komplett leer geschleckt, sollte man etwas mehr füttern – bleibt immer relativ viel übrig, reicht auch eine kleinere Portion. Speziell bei Insektenfutter gilt außerdem:
- Ausgewachsene, gut genährte Igel (ab ca. 800 Gramm) sollten 10-15% ihres Körpergewichts an Futter bekommen.
- Junge, noch etwas zu leichte Igel (unter 500 Gramm) dürfen täglich 20-30% ihres Körpergewichts fressen.
- Alternativ eignet sich vorübergehend auch ein hochwertiges Katzenfutter mit hohem Fleischanteil und ohne Getreide. Zu empfehlen wäre hier Carny von Animonda.
Frisches Wasser muss dem Tier IMMER zur Verfügung gestellt werden.
Am besten stellst Du das Futter abends ins Gehege und wechselst abends das Wasser, da der Igel erst in der Dämmerung aktiv wird und das Futter dann noch möglichst frisch ist.
Wie eine erfolgreiche Auswilderung genau abläuft
Ist das Auswilderungsgehege aufgebaut, das Häuschen mit Stroh gefüllt und sind die Futterdosen in Reichweite, kann der Igel einziehen.
Wie genau Du Dich für die Auswilderung bei der Wildtierstation des Tierheims München melden kannst, erfährst Du hier auf der Webseite des Tierschutzvereins.
Der Umzug beginnt
Wenn der Dir zugeteilte Igel bereit ist, wirst Du meist telefonisch von der Wildtierstation benachrichtigt. Dabei erhälst Du üblicherweise die Igel-Nummer und die Nummer der Box, in der der Igel auf der Station zur Zeit sitzt. Bitte bringe diese Informationen mit, wenn Du vorbeikommst, um „Deinen“ Igel abzuholen. Das erspart den Tierpfleger*innen längeres Suchen.
Es besteht immer die Möglichkeit, sich bei Fragen oder Unsicherheiten telefonisch direkt an die Wildtierstation zu wenden. Insbesondere bei der Abholung bietet es sich außerdem an, alle offengebliebenen Fragen zu stellen, die die Tierpfleger*innen sehr gerne beantworten. Grundsätzlich wird der grobe Ablauf der Auswilderung dann nochmal besprochen und Du erhälst alle wichtigen Informationen zu Deinem Igel – zum Beispiel das letzte Gewicht, falls das für diesen Igel relevant werden könnte.
- Zur Abholung kannst Du gerne eine eigene Tier-Transportbox mitbringen. Ansonsten wird der Igel Dir in einem speziellen Karton übergeben, was auch kein Problem ist.
- Am besten setzt Du den Igel dann abends um. Normalerweise sind die Igel bei der Abholung tagsüber inaktiv und haben kein Problem damit, die Stunden dazwischen einfach in ihrer Transportbox an einem ruhigen Ort zu warten. Denn abends bzw. in der Dämmerung wird der Igel langsam wach und kann sich besser orientieren.
- Mach eine kleine Mulde in das Stroh im Igelhäuschen und setze den Igel – so wie er auch in der Transportbox saß – dort hinein. Der Igel sollte dabei insbesondere nicht auf den Rücken gedreht werden. Dann kannst Du ihn mit etwas Stroh bedecken und das Häuschen zu machen.
- Beim Umsetzen hilft zum Beispiel ein dickes Handtuch gegen die spitzen Stacheln. Aber auch Gartenhandschuhe oder (wie auf der Wildtierstation gerne genutzt) zwei alte Waschlappen eignen sich, um den Igel schmerzfrei in die Hand zu nehmen.
Igel sind Wildtiere und der Kontakt mit dem Menschen bedeutet in erster Linie Stress. Deshalb sollte das Umsetzen so ruhig und zügig wie möglich stattfinden. Es spricht selbstverständlich nichts dagegen, wenn die ganze Familie mitfiebert und jeder mal kurz gucken darf. Dennoch sollte der Igel nicht zu lange in der Hand gehalten, rumgereicht, wild hin- und herbewegt oder gar umgedreht werden. Das Tier hat Angst dabei.
Entspannte Eingewöhnung im neuen Revier
- Dann bleibt der Igel zehn bis vierzehn Tage im geschlossenen Auswilderungsgehege, das er nicht verlassen kann. In dieser Zeit wird er täglich gefüttert und bekommt frisches Wasser. Das Ziel ist, dass der Igel sich wieder an die Umgebung gewöhnt und lernt, wo er Futter und einen sicheren Schlafplatz findet.
- Denn anschließend wird das Gehege geöffnet oder abgebaut, so dass der Igel in die Freiheit kann. Das Igelhäuschen sollte nun mindestens sieben Tage unverändert stehen bleiben, damit er es wiederfindet, solange er noch keinen eigenen Schlafplatz hat. Bis zu sieben Tage sollte außerdem weiterhin Futter angeboten werden. Häufig kehren die Igel in den ersten ein bis drei Nächten nämlich noch zurück und nehmen das Angebot gerne an, bevor sie richtig losziehen und von nun an wieder selbstständig in der Wildnis zurechtkommen.
- Es ist nicht nötig und auch nicht erwünscht, den Igel regelmäßig zu wiegen, da dies hohen Stress bedeutet für das gesunde Tier. Wenn eine dauerhafte Beobachtung noch notwendig wäre, hätte die Wildtierstation ihn niemals rausgegeben.
- Bei Anlass zur Sorge sieht das natürlich anders aus. Frisst der Igel zum Beispiel sehr schlecht oder ist er ausgesprochen unruhig, kann einmaliges Wiegen durchaus sinnvoll sein. Hat er nämlich deutlich abgenommen, ist Rücksprache mit der Wildtierstation auf jeden Fall anzuraten. Unabhängig davon steht Dir die Station aber generell jederzeit für Fragen zur Verfügung.
Wenn das Gehege offen, das Futter unberüht und der Igel nicht mehr aufzufinden ist, war die Auswilderung erfolgreich! Das Tier kann dank Deiner Unterstützung seinen natürlichen Verhaltensweisen nachgehen und ein artgerechtes Leben in Freiheit führen.
Ein wichtiger Hinweis zum Schluss
Ein Igel ist ein Wildtier und braucht seine Freiheit! Eingesperrt zu sein ist für alle Wildtiere mit massivem Stress verbunden und kann zu Krankheiten und Verhaltensproblemen führen.
Halte den Igel also bitte niemals länger als nötig in seinem Gehege gefangen!

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